DAS MEERSCHWEINCHEN

von Kai Hensel

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© Markus Schmiedel

Meerschweinchen gelten ja gemeinhin als putzige Haustiere. Das Meerschweinchen, das eines Tages unter einem Busch im Garten von Comiczeichner Björn und seiner Freundin Franziska sitzt, ist eine Ausnahme. Kaum ins Haus geholt, beißt es wenig putzig zu. Als dann auch noch die abgedrehte Wissenschaftlerin Valerija bei ihnen auftaucht, müssen die beiden feststellen, dass hinter der felligen Fassade ein dunkles Geheimnis steckt.
Ein surrealer Thriller über Meerschweinchen, Liebesviren und -wirren und einen skurrilen Versuch, die Welt zu retten.

Regie und Bühne: Katja Lillih Leinenweber
Kostüme: Claudia Radowski
Mit:  Julian Baboi, Suzan Erentok, Anke Jansen

Die Premiere fand im Februar 2013 am Theater am Schlachthof, Neuss statt.
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PRESSESTIMMEN


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Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 27.02.2013, Dagmar Kann-Coomann

„SKURRILES STÜCK MIT MEERSCHWEIN
Ein Versprechen soll es sein, aber es klingt wie eine Drohung: „Ich kann diese Welt nicht vollkommen machen, aber ich mache sie ein ganzes Stück besser,“ verspricht Björn. Und es gibt gute Gründe, das Schlimmste zu befürchten. Denn wenn sich einer wie Björn, Comiczeichner für Kinderzahnpastatuben in permanenter Sinn- und Schaffenskrise und wild entschlossen, die Welt zu verbessern, seine Freundin Franziska, Ausbildungsbegleiterin für schwierige Jugendliche, und dazu noch Valerija, eine ziemlich durchgeknallte russische Biologin mit ausgeprägtem Interesse für das Innenleben argloser Vierbeiner, zusammentun, ist die Katastrophe kaum abwendbar.
Ein zweistündiger Riesenspaß voller aberwitziger Ideen, zugleich ein bitterböser Blick auf die wilde Entschlossenheit aller Menschheitsbeglücker, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, selbst wenn sie dabei zugrunde geht, ist das abgründig-skurrile Stück „Das Meerschweinchen“ von Erfolgsautor Kai Hensel. Im Theater am Schlachthof (TaS) begeistert es seit Freitag seine Zuschauer.
Dabei ist es das Schöne an Katja Lillih Leinenwebers erster und absolut sehenswerter Inszenierung für das TaS, dass sie den grotesken Spaß um einen Meerschweinchenbiss und seine sonderbaren Folgen so leichtfüßig, ideenreich und witzig erzählt, dass man den Abend ebenso als herrliche Komödie und wundervolle Unterhaltung genießen kann. Oder eben auch als bitterbösen Abgesang auf die Verschlimmbesserung der Welt oder auf das zu überdenkende Verhältnis zwischen Tier und Mensch. Am besten aber als alles zugleich. Den Ort des Geschehens hat Leinenweber mit großen schmutzresistenten Plastikfolien abgehängt – irgendwas zwischen Baustelle und Versuchslabor. Dies ist die Welt von Björn und Franziska, die durch den Biss des gescheckten Nagers gründlich aus den Fugen gerät.
Was die Inszenierung aber neben allen wundervollen Inszenierungsideen zum reinen Genuss macht, sind die drei famosen Darsteller, denen die wunderbare Gratwanderung gelingt, einerseits den grellen Spaß immer wieder auf die Spitze zu treiben, zugleich stets auch glaubwürdige, facettenreiche und authentische Charaktere zu zeigen.
Einen etwas ratlosen Künstler auf der verzweifelten Suche nach kreativen Ideen zeigt Julian Baboi als Björn. Entschlossen, das aus den Folterkellern dunkler Tierversuchslabore entkommene Meerschwein zu schützen, sympathisch und doch verführbar für den Griff nach dem ganz großen Menschheitsparadies gelingt Baboi ein plausibler Gegenwartsnarr und Glückssucher.
Mit grandiosem Talent zum Akzent zeigt Suzan Erentok die durchgeknallte Valerija, ein smart-charmantes Monstrum, das „Meerschweinchen von innen weit niedlicher“ findet als von außen, und eine kühle Forscherin mit Herz – entschlossen, die Kinder der Welt zu beglücken.
Ein absoluter Genuss ist Anke Jansen als Franziska, die sich plötzlich verändert, „fiebert und apportiert“, die Katze des Nachbarn jagt und den Kühlschrank mit Fleisch füllt und dabei plausibel, überzeugend und so natürlich zwischen Hund und Mensch changiert, dass die Grenze zwischen beiden durch gründliches Gelächter ins Schwanken gerät.“
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