DIE MITTLERE LEBENSERWARTUNG VON WASCHMASCHINEN

DSE von Elise Wilk

© Jagna Wittkowski

Ein ganz normaler Tag in einer vielleicht nicht immer ganz normalen Familie. Plötzlich gibt die alte Wachmaschine mit einem großen Knall den Geist auf… Aber woher soll das Geld für eine neue kommen?

Die herrschsüchtige Mutter verdient mehr schlecht als recht den Lebensunterhalt mit der Produktion von Hamster-Särgen für einen internationalen Onlinehandel. Der schluffige Vater hat von nichts eine Ahnung, schon gar nicht von Reparaturen. Er will einfach nur seine Ruhe haben, um heimlich von seiner großen Liebe zu träumen – Nena. Vielleicht hätte ja die erwachsene Tochter eine Lösung, aber die ist meistens damit beschäftigt, ihre verschrobenen Eltern zu erziehen.

Mit skurrilem Blick und bissig schwarzem Humor wirft das Stück Schlaglichter auf den nicht alltäglichen Alltag dieser drei Familienmitglieder, die scheinbar nur zufällig zur selben Zeit am selben Ort existieren und deren Sehnsuchtsmomente sie in die kuriosesten Traumsequenzen entführen. Aber, ob irgendetwas davon wahr werden kann…

Regie: Katja Lillih Leinenweber
Bühne: Markus Andrae
Sound: Fabian Schulz
Kostüme: Cordula Fröhlich
Mit: Karolin Stern, Daniel Cerman, Monika Sobetzko, Julia Jochmann

Die Premiere fand im September 2018 am Theater am Schlachthof, Neuss statt. Die Produktion wurde vom Siebenbürgener Deutschen Kulturzentrum Kronstadt und vom Goethe-Institut zu einem Gastspiel nach Braşov, Rumänien eingeladen.

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PRESSESTIMMEN


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Neuss-Grevenbroicher-Zeitung vom 24.09.2018, Rudolf Barnhold

„EIN STÜCK, DAS SICH GEWASCHEN HAT
Die mittlere Lebenserwartung von Waschmaschinen“ von der rumänischen Autorin Elise Wilk ist schockierend trostlos. Aber auch lustig. […] Das Bühnenbild von Markus Andrae ist spartanisch, aber, wie sich erst im Laufe der Aufführung herausstellen wird, vielsagend: Im Mittelpunkt steht eine alte Waschmaschine, die von jetzt auf gleich den Geist aufgibt – und damit die Trostlosigkeit aufdeckt, die in einer Familie herrscht. […] die Zuschauer erleben mehr als einmal ein Wechselbad der Gefühle.“
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Karpatenrundschau d. Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien (Gastspiel Braşov) vom 12.09.2019, Laura Capatana Juller

„SCHWARZER HUMOR ZU AKTUELLEM THEMA
[…] Das Bild einer postindustriellen Familie
Eine frustrierte, herrschsüchtige Mutter, ein deprimierter Vater und eine erwachsene Tochter, die ihren Eltern zu entfliehen versucht. Das sind die drei Figuren die in der „Dramödie“ „Die mittlere Lebenserwartung von Waschmaschinen“ vorkommen. Sie führen ein für sie normales Leben: Frau und Tochter gehen zur Arbeit, der Mann hängt seit zwei Jahren zu Hause herum und träumt von seiner heimlichen Liebe, Sängerin Nena. Ihr bedrückender Alltag platzt als plötzlich die Waschmaschine kaputt geht. Das Scheitern der Waschmaschine löst ein Tornado an Ereignissen aus, welche die unterdrückten und unerfüllten Träume und Wünsche der Charaktere aufwirbelt. Mit scharfem Blick zeigt [Autorin] Wilk tiefgründige Probleme einer einfachen postindustriellen Familie, deren Mitglieder die Arbeitslosigkeit und finanziellen Nöte, die Einsamkeit und Depression, den Kommunikationsmangel in einer von Werbung überfluteten Konsumgesellschaft nicht meistern können.
In ihrem verzweifelten Versuch, ein wundervolles Leben zu haben, wie sie es im Fernsehen sehen, eine Familie zu sein, so wie ihre Nachbarn zu sein scheinen, hängen sich die Figuren an Ideale, die außerhalb ihrer Macht stehen, haben keine innere Stärke ihr Leben in den Griff zu bekommen. Die Mutter füllt das Haus mit Werbeobjekten die ihr und der Familie Wohlstand, Liebe und Glück sichern sollen; der Vater, der die Demütigungen seiner Frau wortlos erträgt, schöpft neuen Mut endlich wieder aktiv zu werden, wann ein Treffen mit seiner heimlichen Liebe, Sängerin Nena als möglich erscheint; die Tochter schwärmt vom romantischen Leben in Paris, mit dem geschiedenen Nachbarn. Bis zuletzt fliehen Vater und Tochter dem Druck und den andauernden Kritiken der Mutter, folgen ihren Träumen. Doch vergebens. Wilk gibt ihnen keine Chance, wie manchmal das Leben es macht. Die Autorin sorgt aber dafür, dass die Bitterkeit der Situation doch mit einem Lächeln aufgenommen wird. Skurrile Details wie das Verkaufen von Särgen für Hamster, das Sammeln toter Fliegen, das Nähen von Knopfaugen an Plüschtiere, oder der Wunsch eine elektrische Zahnbürste mit eingebautem Radio zu kaufen –von denen es reichlich im Stück gibt – ermöglichen es dem Zuschaue, das Drama lachend aufzunehmen. Gelacht wird eigentlich über sich selbst, denn man kann sich in den komplexen Figuren wieder finden, erkennt manch eine Situation auf der Bühne aus dem eigenen Leben. Das weckt Mitgefühl für jede Figur, ohne sie zu blamieren und lädt zur Introspektion ein. […]“
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